Liu Xiaobo – Warum China einen deutschen Arzt falsch verstehen will

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Pekings Führung will ihren prominenten Häftling nicht zur Behandlung ausreisen lassen. Angeblich ist ihm nicht mehr zu helfen. Das sehen westliche Ärzte anders. Ein Expertenteam aus Heidelberg stünde bereit.

Ist der sterbenskranke Bürgerrechtler Liu Xiaobo wirklich so schwach, dass er nicht mehr transportfähig ist, wie sein chinesisches Ärzteteam meint? Oder kann er nach Heidelberg ausgeflogen werden, um das Menschenmögliche noch zu versuchen? Davon gehen zwei ausländische Mediziner aus, die ihn untersuchen durften. Zwischen der chinesischen Führung, die ihren prominentesten politischen Häftling aus gesichtswahrenden Gründen nicht ausreisen lassen will, und weltweiten Initiativen, die Peking zur humanitären Geste drängen, hat ein makabres Tauziehen begonnen.

Liu und seine Frau haben sich klar geäußert: Sie hofften auf Behandlung im Ausland, sagten der 61-jährige Friedensnobelpreisträger und Liu Xia vergangenen Freitag, als der Direktor der Heidelberger Universitäts-Chirurgie, Markus Büchler, und Facharzt Joseph Herman vom Anderson-Krebszentrum der Universität Texas den Schwerkranken aufsuchten.

Beide Experten wurden auf internationalen Druck vom Ärzteteam im Shenyang Hospital Nummer Eins im Nordosten Chinas zur Diagnose des an Leberkrebs im Endstadium leidenden Liu hinzugezogen. Das Pekinger Sprachrohr und Parteiblatt „Global Times“ schrieb danach in seiner englischsprachigen Ausgabe, dass der „Transport nach Expertenmeinung zu risikoreich ist“. Es veröffentlichte dazu auch einen Videoclip auf seiner Webseite.