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Direktinvestitionen aus Fernost: Wie sich China in Europas Zukunftsbranchen einkauft

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200 Milliarden Dollar investierte China im Jahr 2016 jenseits seiner Grenzen. Immer stärker im Fokus: Europa. Welche Branchen China im Blick hat und wie Berlin darauf reagiert.

Für China war die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump ein „globaler Rückschlag“. Die Volksrepublik werde „unerschütterlich“ am Kampf gegen die Erderwärmung festhalten. Die chinesische Regierung konnte ihr Glück kaum fassen als Trump vor einigen Wochen ankündigte, die Vereinigten Staaten würden das Pariser Klimaschutzabkommen aufkündigen.

Ausgerechnet China, das sich über viele Jahre verbindlichen Emissionszielen verweigert hatte, konnte sich nun als Verfechter des Klimaschutzes gerieren. Kein Wunder: China dürfte mit Technologien für erneuerbare Energien in Zukunft viel Geld verdienen. Und bis 2030 darf China seine Emissionsmenge weiter erhöhen. Schmerzhaft wird es für China also erst in einigen Jahren. Die Volksrepublik an der Seite der Europäer gegen die Vereinigten Staaten – dieses Bild dürfte auch der G20-Gipfel wieder vermitteln.

In der Klimafrage rücken Chinesen und Europäer demonstrativ zusammen. Was nun politisch sichtbar wird, ist ökonomisch längst Realität. Nach Angaben des Mercator Institute for Chinese Studies (Merics) hat Peking allein im Jahr 2016 rund 35 Milliarden Euro in der EU investiert – ein Plus von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zwei Drittel der chinesischen Direktinvestitionen in Europa flossen in nur zwei Länder. Ein Großteil des Geldes ging nach Deutschland (11 Milliarden Euro), gefolgt vom Vereinigten Königreich (7,8 Milliarden).

1000 Milliarden in zwölf Jahren investiert

Weltweit investierte China im vergangenen Jahr 200 Milliarden Dollar, rund 1000 Milliarden seit 2005. Die Menschheit wird Zeuge einer weltpolitischen Kräfteverschiebung: Während Washington unter Trump in außenpolitischen Fragen um Jahrzehnte zurückgeworfen wird und Deutschland vor allem Flüchtlingsströme eindämmen will, hat Peking sein Budget für Außeninvestitionen und Entwicklungshilfe binnen eines Jahrzehnts vervierfacht.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgt diese Entwicklungen genau, wie sie Ende Juni in einem Interview mit der WirtschaftsWoche sagte. „Von Peking aus betrachtet, ist Europa eher eine asiatische Halbinsel. Das sehen wir natürlich anders“, sagte die Kanzlerin. „Dennoch ist es eine Tatsache, dass Teile der deutschen Wirtschaft von China abhängig sind. Auch deswegen müssen wir mit Chinas Ansprüchen und Forderungen so umgehen, dass eine harmonische Entwicklung zum Vorteil aller eintritt.“ Darüber spreche sie immer wieder mit der chinesischen Führung.

Das Ziel der chinesischen Investoren: Sie sollen weltweit neue Märkte erschließen und das verlangsamte Wachstum daheim ausgleichen. „Chinesische Investoren sind unter Druck, die eigenen Technologien, Marken und strategische Vermögenswerte schnellstmöglich weiterzuentwickeln“, heißt es in einer aktuellen Merics-Studie. Die chinesischen Investoren zeigten im vergangenen Jahr in Europa besonderes Interesse an Hochtechnologie – allen voran im Fertigungsbereich, im Energie- und Versorgungssektor sowie an den Bereichen Versorgung, Transport und Infrastruktur, Internet- und Kommunikationstechnologie und Unterhaltung.

Die größten Firmenkäufe in Europa

Zu den größten Investitionen im Jahr 2016 zählen die Übernahmen des finnischen Online Gaming Anbieters Supercell (6,7 Milliarden Euro), des deutschen Roboterherstellers Kuka durch das chinesische Privatunternehmen Midea (4,4 Milliarden Euro), der irischen Flugzeug-Leasing-Firma Avolon durch die Unternehmensgruppe HNA aus Hainan (2,3 Milliarden Euro), des niedersächsischen Müllverbrennungsspezialisten EEW Energy durch die Holding Beijing Enterprises (1,4 Milliarden Euro) und der britischen Online-Reiseplattform Skyscanner durch Ctrip (1,6 Milliarden Euro).