Asien: Starbucks im Visier der Hardliner

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Vorbei die Zeiten, als Länder wie Indonesien und Malaysia als Stätten eines liberalen Islams galten. Fundamentalisten prägen die Länder zunehmend und machen gegen westliche Firmen mobil: Zurzeit soll Starbucks boykottiert werden.

Führende Vertreter muslimischer Organisationen in Indonesien und Malaysia setzen die amerikanische Kaffeehauskette Starbucks unter Druck. Sie haben zum Boykott des Konzerns aufgerufen, weil sich das Unternehmen für die gleichgeschlechtliche Ehe einsetzt. Starbucks zerstöre mit seinem Engagement für die Rechte von Homosexuellen den «religiösen und kulturellen Kern» Indonesiens, sagte Anwar Abbas, Generalsekretär der in­donesischen Religionsbehörde MUI und eine der Führungsfiguren der mächtigen Organisation Muhammadiyah.

Welle der Islamisierung

Starbucks gehört zu einer Reihe von westlichen Konzernen, die in den muslimisch geprägten Ländern im Zuge einer Islamisierungswelle zunehmend auf Widerstand stossen. Malaysia und Indonesien, das Land mit der grössten muslimischen Bevölkerung der Welt, galten lange als Vertreter einer toleranten Auslegung des Islam. In beiden Ländern wuchs in den letzten Jahren die Bedeutung erzkonservativer Religionsvertreter, die sich auch auf ausländische Unternehmen einschossen.

Abbas forderte Muslime in Indonesien auf, nicht mehr bei Starbucks einzukaufen, und verlangte von der Regierung, dem Unternehmen die Betriebslizenz zu entziehen. Yunahar Ilyas, ebenfalls ein ranghoher MUI-Vertreter, bezeichnete die Unterstützung der gleichgeschlechtlichen Ehe durch Starbucks als «eine Form von Menschenrechtsverletzung», da dadurch der Fortbestand der Menschheit in Gefahr sei.

Malaysia zieht nach

In Malaysia schloss sich die nationalistische Organisation Perkasa dem Protest gegen Starbucks an: «Wir fordern alle Muslime in Malaysia auf, Starbucks zu boykottieren, weil das Unternehmen LGBT-Rechte und die gleichgeschlechtliche Ehe unterstützt», teilte Sprecher Amini Amir Abdullah mit.

Auslöser für die Protestaufrufe waren neu entfachte Online­debatten über frühere Äusserungen von Howard Schultz, der sich als Starbucks-Chef für die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen hatte. In sozialen Medien wie Twitter teilten in Indonesien und Malaysia viele Nutzer die Boykottbotschaften – #BoikotStarbucks wurde schnell zum Trending Topic.

Andere machten sich über die Entrüstung lustig und verwiesen auf die Ironie, dass die Erzkonservativen mit Twitter die Plattform eines Unternehmens nutzen, das sich selbst für die Rechte von Homosexuellen einsetzt. Starbucks war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu er­reichen.

Homosexuelle Beziehungen sind in Malaysia illegal – ein früherer Vizepremierminister und Oppositionsführer ist wegen des Vorwurfs homosexueller Kontakte seit Jahren in Haft. In Indonesien gibt es solche Verbote nicht – mit Ausnahme der Provinz Aceh, wo das islamische Strafrecht Scharia gilt und Schwule öffentlich ausgepeitscht werden.

Verbotene Emojis

Aber auch im Rest des Landes macht sich der wachsende Einfluss der Hardliner bemerkbar: Im vergangen Jahr zwang die Regierung Unternehmen wie Facebook, sogenannte Emojis von Händchen haltenden Männern und Frauen in Chat-Apps zu löschen, weil diese für öffentliche Unruhe sorgen könnten.

Auch im muslimisch geprägten Malaysia kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen mit religiösem Hintergrund, die westliche Firmen trafen.

Keine Hotdogs in Malaysia

Im vergangenen Jahr forderten Religionswächter die US-Fast-Food-Kette Auntie Anne auf, Hotdogs auf dem Menü umzubenennen – denn Hunde gelten im Islam als unrein.

2014 sahen sich McDonald’s und die Bank HSBC mit Boykottaufrufen konfrontiert wegen wirrer Vorwürfe von Verschwörungstheoretikern, wonach die Unternehmen angeblich israelische Militäreinsätze gegen Palästinenser unterstützten. Der Protest schlug damals so grosse Wellen, dass sich McDonald’s mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen wehrte. (Berner Zeitung)