Menschenhandel in Kambodscha

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Menschen, die alles tun, um ihrer Armut zu entkommen, landen als unbezahlte Arbeitssklaven auf Plantagen und in der Prostitution. Weltweit sind das fast 39 Millionen Menschen.

Der wirtschaftliche Aufschwung in Südostasien ist nicht zuletzt Billigst-Arbeitskräften aus ärmeren Ländern zu verdanken. Keine Weltgegend ist so sehr Ziel- wie auch Quellregion arbeitssuchender Migranten. Es sind meist arme und bildungsferne Menschen, die ihr Glück anderswo suchen. Sie gehen oft ein großes Risiko ein. Schlepperinnen und Schlepper versprechen ihnen das Blaue vom Himmel. Am Ende landen die Menschen, die alles tun, um ihrer Armut zu entkommen, oft als unbezahlte Arbeitssklaven auf Plantagen, in der Fischerei, in der Prostitution.

Die Herrschaft der Roten Khmer

Zwischen 1975 und 1979 terrorisierten die Roten Khmer unter Pol Pot das Land. Er wollte einen abstrusen geldfreien kommunistischen Agrarstaat errichten. Der Diktator ließ die Bevölkerung Phnom Penhs und anderer Städte aufs Land deportieren.

Pol Pot ließ fast die gesamte Elite Kambodschas ermorden. Unter seiner Terrorherrschaft kamen über zwei Millionen Menschen um – fast ein Viertel der damaligen Bevölkerung. Sie starben durch Exekution, Zwangsarbeit, Unterernährung und mangelhafte medizinische Versorgung. Das genozide Wahnsinnsregime der Roten Khmer hat das Land bis ins Innerste geschwächt. Bis heute. Die Entvölkerung der Städte und Ermordung der Elite führten dazu, dass noch immer ein Fünftel der Kambodschaner unter der Armutsgrenze lebt.

Der perfekte Nährboden für Menschenhandel

In einer Analyse des kambodschanischen Ablegers der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung heißt es: „Während sich das Land vom Pol-Pot-Trauma und von den Verletzungen noch immer erholt und versucht, die verlorene Identität zurück zu gewinnen, ist in Kambodscha eine Kultur der Menschenausbeutung entstanden. Die Kombination von unausweichlicher Armut und Perspektivenlosigkeit ist der Motor der Migration und macht Menschen besonders verletzlich. Es ist der perfekte Nährboden für Menschenhandel.“

Handelsware Mensch

Das Business mit der Handelsware Mensch ist das drittgrößte nach dem Drogen- und Waffenhandel. Ein 32-Milliarden-Dollar-Geschäft, schätzt die internationale Arbeitsorganisation ILO. Der Global Slavery Index 2014 spricht von weltweit fast 39 Millionen Menschen, die als Arbeitssklaven gehalten werden. Auf diesem Index rangiert Kambodscha auf dem 14. Rang – nur 13 Länder versklaven mehr Menschen. Von einer Gesamtbevölkerung von etwa 15 Millionen sind rund 156.000 Menschen versklavt. Das entspricht 1,03 %.