Eisenbahnfieber in Laos

0
3055

 
 
 

Im Norden des Landes soll ein Großprojekt neue Transportwege erschließen

Endlich wird gebaut. Im Norden von Laos bohren sich Großgeräte durch Berge, ziehen Bautrupps entlang der künftigen Bahntrasse. Ein lang ersehntes Riesenvorhaben wird Stück für Stück Realität: die Eisenbahnverbindung von der chinesischen Grenze zur laotischen Hauptstadt Vientiane. Für Laos ein gewaltiges Prestigeprojekt, denn bislang verfügt das gebirgige Land nur über rund vier Kilometer Eisenbahn – eigentlich ein besseres Anhängsel der Schmalspurverbindung aus der thailändischen Hauptstadt Bangkok in die am Mekong gelegene Provinzstadt Nongkhai. Bisher auch eher eine skurrile Touristenattraktion als ein ernsthaftes Transportmittel, denn der Güterbahnhof auf der laotischen Seite wird erst noch gebaut.

Aus Pekinger Sicht ist auch die im Bau befindliche 417 Kilometer lange Strecke von der Grenze nach Vientiane nur ein kurzes Stück, denn die neue chinesische Seidenstraße, zu der die Bahnlinie gehören soll, ist in anderen Dimensionen angelegt. Von Kunming bis Singapur sind es 3900 Kilometer. Fünf Jahre sind für den Bau der eingleisigen Strecke durch Laos, die durch 75 Tunnel von insgesamt fast 200 Kilometer Länge führen wird, veranschlagt.

Neben der anspruchsvollen Geografie des Geländes machen nun aber auch andere Probleme den Bauherren zu schaffen. Denn viele der Bewohner entlang der Trasse warten auf ihre Entschädigung. Bisher ist man lediglich dabei, die Zahl der zu Entschädigenden zu ermitteln. Erst wenn alle Ansprüche erfasst sind, will die Regierung sich ans Rechnen machen. »Nicht alle«, so gibt Premierminister Thongloun Sisoulith schon jetzt zu verstehen, »werden zufrieden sein.« Viele sind es schon jetzt nicht, wie die zahlreichen Petitionen an die in der Hauptstadt tagende Nationalversammlung zeigen.

Die laotische Regierung sieht dies als »lästige Wirkungen der Entwicklung«, was schon irgendwie an das Unwort Kollateralschaden erinnert. Fast möchte man sich mit derartigen Störungen nicht aufhalten, denn die laotischen Bahn-Ambitionen sind größer. Schon im Jahr 2012 erhielt die malaysische Firma Giant Consolidated den Zuschlag für eine 220 Kilometer lange Strecke von der zentrallaotischen Stadt Savannakhet bis zum Grenzübergang Lao Bao nach Vietnam. Wiederholt wurde von einer angehenden Bahnverbindung zwischen Thailand und Vietnam berichtet.

Zwar liegt Savannakhet am Mekong direkt gegenüber der thailändischen Provinzstadt Mukdahan, doch gibt es dort bislang keinen Eisenbahnanschluss, selbst der Plan dafür ist sehr vage. Auf der vietnamesischen Seite soll es weitergehen zum Hafen Danang. Auch hier gibt es keine Eisenbahn. Kein Wunder, dass das Projekt nach großartiger Grundsteinlegung am 18. Dezember 2013 erst einmal ins Stocken geriet. Das Wort von fehlender Finanzierung machte die Runde. Inzwischen wurde auch die Trasse neu vermessen, um »unakzeptable soziale und Umweltauswirkungen« der ursprünglichen Linie zu vermeiden.

Beim jüngsten Besuch des vietnamesischen Premiers Nguyen Xuan Phuc unterzeichneten die Transportministerien von Laos und Vietnam nun eine Vereinbarung über den Ausbau des Hafens Vung Ang, der jetzt schon 20 Prozent seines Umschlags mit Laos abwickelt. Dabei verständigte man sich auch über den Bau einer Eisenbahn von Vientiane über Thakhek ins vietnamesische Muya. Die Machbarkeitsstudie für die 550 Kilometer lange Strecke hatte Südkoreas Entwicklungsagentur KOICA 2016 vorgelegt.

Keine Frage, dass das Interesse an dem neuen Bahnprojekt von der laotischen Regierung ausgeht, verfolgt sie doch trotz großer Verzögerungen beharrlich ihr Konzept der Entwicklung von Laos von einem »land-locked« zu einem »land-linked country« (von einem Binnen- zum Transitland). Wenn sich auch die Begründungen dafür mit der Zeit ändern. Die Studie für den Ausbau des Hafens Vung Ang aus dem Jahr 2010 stammt vom Japanischen Entwicklungsinstitut. Ihr Hauptaugenmerk gilt dem Export von Holz aus Laos über den vietnamesischen Hafen. Seit 2016 ist der Export von Rundholz aus Laos indes nicht nur streng verboten, das Verbot wird auch ziemlich effektiv überwacht.