Rauchen in China: „Zigaretten sind hier so billig wie Wasser“

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A performer smokes as he waits for his turn to go onto stage at the Longtan park as the Chinese Lunar New Year, which welcomes the Year of the Rooster, is celebrated in Beijing, China January 29, 2017. REUTERS/Damir Sagolj TPX IMAGES OF THE DAY - RTSXVBM

315 Millionen Chinesen rauchen. Nur in wenigen Großstädten greifen inzwischen strenge Gesetze zum Nichtraucherschutz. Weitere Maßnahmen verhindert die Tabaklobby.

Liu Ying hat den Gestank von Zigaretten immer gehasst. Doch die Zeiten, in denen sie wehrlos in verqualmten Restaurants oder Bars sitzen musste, sind für die Pekingerin vorbei. „Wenn trotz Verbot geraucht wird, hole ich mein Handy raus und mache Fotos“, sagt die 37-Jährige.

Per App meldet sie den Vorfall. Auf einer digitalen Karte werden betroffene Gaststätten für jeden sichtbar zunächst mit einem blauen Warnlicht gekennzeichnet. Gibt es mehr als fünf Verstöße, ändert sich die Farbe zu Rot. Dann droht dem Restaurant ein Bußgeld. „Es ist nicht nett, aber es funktioniert“, sagt Liu Ying.

Nach halbherzigen Versuchen in der Vergangenheit sei es Peking erstmals gelungen, „ein ausgezeichnetes“ Nichtrauchergesetz durchzusetzen, sagt Bernhard Schwartländer, China-Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Streng werde seit der Einführung vor zwei Jahren nicht nur in Restaurants, sondern auch in öffentlichen Gebäuden und Büros kontrolliert. Chefs, die Angst vor den hohen Strafen haben, würden das Verbot bei ihren Mitarbeitern durchsetzen.

Größter Zigarettenproduzent der Welt

Trotz der Erfolge in Städten Shanghai, Peking und Shenzhen ist der WHO-Chef mit dem Gesamtbild in China unzufrieden: „Große Teile des Landes fallen weit zurück.“ Bei seinen Reisen komme er immer wieder in Städte, in denen sich nicht ein einziges Hotel mit Nichtraucherzimmern finden lasse. 315 Millionen Chinesen sind Raucher.

Der Einfluss der mächtigen staatlichen Tabakindustrie sei schuld daran, dass in China internationale Verpflichtungen zur Tabakkontrolle bisher nicht eingehalten würden, so Schwartländer. Ein landesweites Nichtrauchergesetz werde von der Lobby erfolgreich verzögert.