Das Gute an autoritären Regimen ist ja, dass sich ihre Bürger nicht so viele Gedanken machen müssen. Das fängt beim Wählen an und endet bei der Familienplanung. Parteilinie ist immer gut, so viel kann man sich auch ohne Schulbildung merken.


Chinas Behörden zum Beispiel sind derart zuvorkommend, dass sie nicht nur den Alltag ihrer Staatsbürger arrangiert, sondern auch deren Urlaub. Auf einem Weg durch die historische Altstadt von Tai’erzhuang in der ostchinesischen Provinz Shandong wurden kürzlich Bodenwellen angebracht. Nicht für Autos, sondern für Fußgänger: Sie sollen langsamer laufen, und gefälligst mit gebotener Ehrfurcht über die Sehenswürdigkeiten am Wegesrand staunen.


Mehr als 50 schwarz-gelb-gestreifte Bodenwellen pflastern die Straße im Abstand von wenigen Zentimetern. Laut einer chinesischen Zeitung hat der Abschnitt schon einen Spitznamen: „Waschbrett Straße“. Fotos der Szenerie, die im Netz die Runde machen, zeigen jedoch, dass es selbst in China nicht so einfach ist, den Blick der Menschen zu lenken. Sie staunen zwar, aber mit gesenktem Blick, nämlich über die Bodenwellen, und, wer weiß, vielleicht auch über ihre Politiker.