Japan macht sich locker – dem Klima zuliebe

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TOPSHOT - White-collar workers walk on a crosswalk in Tokyo on April 3, 2017. The Bank of Japan's Tankan report -- a quarterly survey of more than 10,000 companies -- showed a reading of 12 among major manufacturers, rising from 10 in the previous survey. / AFP PHOTO / Toshifumi KITAMURA (Photo credit should read TOSHIFUMI KITAMURA/AFP/Getty Images)

In japanischen Büros fällt im Sommer die strenge Kleiderordnung: Die sonst obligatorischen Krawatten bleiben daheim, kurze Ärmel sind erlaubt. Doch der Kleidungs-Schlendrian hat einen ernsten Hintergrund.

Japans Staatsdiener dürfen sich im Sommer in Sachen Büroklamotten locker machen – und kein Kollege rümpft die Nase: Seit Montag sind die Beamten des Landes von offizieller Seite dazu aufgerufen, über die heißen Sommermonate die Krawatten zu Hause zu lassen und kurze Ärmel zu tragen.

Das ist ein Stilbruch, denn in japanischen Büros zeigen die Angestellten sich ansonsten zumeist sehr formell gekleidet: Männer tragen dunkle Anzüge, weiße Hemden – und eben Krawatten. Viele Frauen setzen auf ein Kostüm in gedeckten Farben.

Mit von oberster Stelle genehmigtem Büro-Schlendrian hat die Kleiderregel aber nur wenig zu tun. Tatsächlich geht es dem rohstoffarmen Japan darum, Energie zu sparen.

Die Klimaanlage soll nur moderat kühlen

In den bevorstehenden schwülheißen Sommermonaten sollen die Klimaanlagen die Büros dank der luftigeren Bekleidung der Angestellten nicht zu stark herunterkühlen müssen, sondern lediglich auf 28 Grad. Das soll den Energieverbrauch und die CO2-Emissionen verringern.

„Cool Biz“ nennt die Zentralregierung die 2005 ins Leben gerufene Kampagne. Erfunden hat sie die damalige Umweltministerin Yuriko Koike. Die gilt als ungewöhnliche Gestalt in der männerdominierten japanischen Politik, 2016 wurde sie zur Bürgermeisterin Tokios gewählt.

Das „Cool Biz“ hat sich der Nachrichtenagentur Jiji Press zufolge mittlerweile an rund 70 Prozent der Arbeitsplätze durchgesetzt, nicht nur bei staatlichen Stellen. Um Strom zu gewinnen, verfeuert das Land überwiegend Öl und Kohle in Wärmekraftwerken. Sie dienen als Ersatz für die seit dem Fukushima-Gau vor gut sechs Jahren größtenteils weiter stillstehenden Atommeiler.

dpa/gru