Viele Wohnungsbesitzer in Japan mögen keine alten Mieter

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Japan ist die mit am schnellsten alternde Industriegesellschaft der Welt. Das stellt die weltweit drittgrößte Volkswirtschaft vor große Herausforderungen – eine davon betrifft die Wohnsituation: Nach einer am Montag vom öffentlich-rechtlichen Rundfunksender NHK zitierten Branchenerhebung widerstrebt es rund 60 Prozent der Wohnungseigentümer, an alte Menschen zu vermieten. Das sei die bisher höchste Zahl seit Beginn solcher Erhebungen im Jahr 2010.

Zur Begründung für ihre ablehnende Haltung gegenüber alten Mietern gaben rund 71 Prozent die Sorge über deren Zahlungsfähigkeit an. Rund ein Drittel sei zudem unwohl bei der Vorstellung, dass Alte bei Unfällen zu Hause ums Leben kommen könnten. Oft sind besonders alleinstehende Alte betroffen. 14,2 Prozent der Wohnungseigentümer vermieten demnach kategorisch nicht an solche Menschen.

Für die Erhebung des nationalen Verbandes der Vermietungsgesellschaften wurden landesweit rund 360 000 Wohnungseigentümer befragt. Um die Situation zu verbessern, plane das zuständige Ministerium für Land, Infrastruktur und Transport, sich verstärkt um Wohnraum für ältere Mieter zu bemühen, berichtete NHK. Mehr als ein Viertel der japanischen Bevölkerung ist inzwischen älter als 65 Jahre. Zugleich gibt es in dem fernöstlichen Inselstaat immer weniger Kinder: Im vergangenen Jahr war die Zahl der Neugeborenen in Japan erstmals unter die Marke von einer Million Babys gefallen.