In Indonesien isst man gern den besten Freund des Menschen – und die Nachfrage steigt.


Auf dem Tisch liegt noch die Bibel. Die Predigt hat Andrew Morlando gerade hinter sich. Jetzt ist für den indonesischen Geschäftsmann, wie immer nach dem Kirchgang, Zeit für ein ordentliches Sonntagsmahl: Gulasch und Bier, zusammen mit Freunden, im „Tinoor Permai“, einem kleinen Restaurant in der Hauptstadt Jakarta. Eine Szene, wie sie sich auch Deutschland zutragen könnte. Abgesehen von dem Hund auf Morlandos Teller.


Der 37-Jährige isst das Fleisch von Hunden, seit er Kind ist. Er kommt aus Manado, einer Provinz auf Indonesiens viertgrößter Insel Sulawesi. Dort, wo im Unterschied zum Rest des Landes Christen in der Mehrheit sind, gehören Hundegerichte zur Tradition: als Gulasch, aber auch gegrillt oder als Suppe. „Für mich ist das stets eine Erinnerung an früher“, sagt Andrew Morlando. „Und es hält mein Blut warm.“


Offizielle Zahlen gibt es nicht


Wer in Jakarta Appetit auf Hund hat, muss nicht lange suchen. Im Prinzip reicht es, in ein Restaurant mit Küche aus Manado oder Sumatra zu gehen.


Der Verzehr von Hundefleisch ist in Indonesien völlig legal. Auf den Speisekarten stehen die Gerichte meistens trotzdem nicht.


Auch hier ist es für viele verpönt, den „besten Freund des Menschen“ zu essen. Für Muslime, mit 200 Millionen Gläubigen mit Abstand die größte religiöse Gruppe des südostasiatischen Inselstaates, ist der Verzehr von Hundefleisch – im Unterschied zu Schweinefleisch – zwar nicht verboten. Vielen Moslems gilt es aber nicht als rein. Zudem sind auch in Indonesien zunehmend Tierschützer aktiv.


Hundefleischliebhaber müssen deshalb auf zwei Buchstaben achten: RW. Das steht für „Rinteek Wuuk“. Zu deutsch: Sanftes Fell. Oder auch: Hund. Manchmal steht auf der Karte auch nur B1, ein Code für „Biang“ (Hund). Allein um den Bedarf der Hauptstadt zu decken, werden nach einem Bericht des indonesischen Nachrichtenmagazins „Tempo“ Tag für Tag mehr als 400 Hunde geschlachtet. Angeblich streunende Köter von der Straße. Kann man glauben, muss man nicht.


Der Gründer des Tierschutzverbandes ADI, Doni Herdaru Tona, meint: „Viele Hunde werden einfach von der Straße weg gestohlen und dann umgebracht. Manche Verkäufer betäuben sie aber auch nur und grillen sie dann bei lebendigem Leib. Angeblich hat das Fleisch dann einen besseren Geschmack.“


Offizielle Zahlen über das Geschäft mit Hundefleisch gibt es nicht. Aber die Experten – von Veterinären über Restaurantbesitzer bis hin zu Tierschützern – sind sich einig, dass der Markt in den letzten Jahren gewachsen ist. Allein auf der Urlauberinsel Bali, so schätzt die Tierschutzorganisation Bawa, werden pro Jahr 70.000 Hunde geschlachtet und gegessen. Trotz der Sorge, dass damit die Tollwut verbreitet werden kann.


In Jakarta galt Hund früher als Essen für arme Leute oder Leute aus der Provinz. Das hat sich geändert. Der Koch des „Tinoor Permai“, Michael Kenzo, sagt: „Inzwischen kommen auch viele Leute her, die meinen, dass Hund gut für ihre Gesundheit ist.“ Angeblich hilft es bei Asthma, beugt gegen Allergien vor und stärkt auch die Potenz. Manche Asiaten – wie Morlando – meinen zudem, dass Hundefleisch „warme Energie“ weitergibt. Erwiesen ist nur, dass es viele Proteine enthält.


Und billig ist Hund nicht. Im „Tinoor Permai“ kostet die Portion umgerechnet etwa sechs Euro – weniger als Rindfleisch, aber für indonesische Verhältnisse nicht wenig Geld. Das Fleisch muss mehrere Stunden lang gekocht werden, damit es genießbar ist. Außer dem Kopf und den Innereien, sagt Kenzo, kommt alles in den Topf. Dazu noch Wasser – manchmal auch Hundeblut – und Zwiebeln sowie viele Gewürze, vor allem Ingwer und Chili. Das Essen ist dann eine schweißtreibende Sache. Der Geschmack, abgesehen von der Schärfe: wie Rindergulasch aus der Dose. Am nächsten Tag, man kennt das auch von anderen Schmorgerichten, soll es besser schmecken.


Kenzo, der Koch im „Tinoor Pernai“, verzichtet trotzdem aus Prinzip darauf. „Ich muss das kochen, weil das zu meinem Beruf gehört“, sagt der 43-Jährige. „Aber essen kann ich das nicht. Dazu habe ich Hunde viel zu lieb.“


Kenzo belässt es dabei, die Soße abzuschmecken. Und drückt dann aufs Fleisch, um zu sehen, ob es weich genug ist. „Das muss reichen.“


(Christoph Sator, dpa)