Südostasien-Gipfel: China gewinnt auch hier an Macht

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Der philippinische Präsident Duterte empfängt zum Südostasien-Gipfel. Die Staaten des Asean-Verbandes üben sich in Zurückhaltung – gerade gegenüber China.

Der für seine verbalen Ausfälle berüchtigte philippinische Präsident Rodrigo Duterte muss sich in diesen Tagen zurückhalten. Zum ersten Mal empfängt er als Gastgeber die höchsten Vertreter der südostasiatischen Staaten zu einem Gipfel in Manila. Nahezu im Stundentakt landete am Freitag ein Staats- oder Regierungschef auf dem internationalen Flughafen. Die Philippinen haben sich minutiös vorbereitet. Denn für den Staatenbund Asean, der zusammen mehr als 600 Millionen Einwohner zählt, kommt der Gipfel zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Zum 50. Jubiläum seines Bestehens muss er sich zwischen den konkurrierenden Mächten Amerika und China positionieren.

Über allem schwebt deshalb auch in dieser Region zunächst einmal die brennende Frage, welche Richtung die Spannungen auf der koreanischen Halbinsel nehmen werden. Neben der geographischen Nähe dürfte dies auch daran liegen, dass die meisten südostasiatischen Länder Beziehungen zu beiden Koreas unterhalten. Daran war der Rest der Welt noch einmal erinnert worden, als im Februar der Halbbruder des nordkoreanischen Diktators auf dem Flughafen von Kuala Lumpur mit einem Giftanschlag getötet worden war. Noch bevor der Gipfel begonnen hatte, gaben deshalb die Außenminister eine Erklärung heraus, in der sie „schwere Besorgnis“ über die Lage auf der Halbinsel ausdrückten und Nordkorea zur Deeskalation aufriefen.

Reaktion auf den Vietnam-Krieg und das kommunistische China

Es ist auch ein Zeichen dafür, wie ernst die Krise in der Region genommen wird, wenn die sonst eher zurückhaltenden Asean-Staaten sich nun schon zum dritten Mal in kürzerer Zeit zu dem Thema äußern. Dennoch wird Nordkorea bei dem eigentlichen Gipfel an diesem Samstag wohl kaum mehr eine Rolle spielen. Selbst China und der Konflikt ums Südchinesische Meer, der in den vergangenen Jahren geradezu einen Keil zwischen die Mitgliedsländer getrieben hatte, wird diesmal weniger kontrovers verhandelt. Zuvor hatten gerade die Philippinen allergisch auf das Vordringen Chinas in dem Seegebiet reagiert. Mit einer Beschwerde vor einem internationalen Schiedsgericht hatte Manila sogar einen einmaligen Erfolg über Peking erzielt.

Doch Duterte hat in der Außenpolitik eine radikale Wende vollzogen, weg vom traditionellen Bündnispartner Amerika, hin zu einem besseren Verhältnis mit dem chinesischen Nachbarn und Handelspartner. Das hat auch auf die gesamte Region gewirkt, die nun China gegenüber versöhnlicher auftritt. Als die Asean-Gemeinschaft vor einem halben Jahrhundert von Indonesien, Malaysia, Thailand, den Philippinen und Singapur gegründet wurde, war das noch eine Reaktion auf den Vietnam-Krieg und das kommunistische China. Später entwickelte sie sich vor allem zu einem wirtschaftspolitischen Forum, das den Handel zwischen den nunmehr zehn Mitgliedern fördern sollte.

Entwicklung zu immer autoritären Regimen

Doch seit Jahren drohte nun der Konflikt ums Südchinesische Meer den Staatenverbund zu spalten, in die Länder auf Seiten Chinas und die Länder, die mit China um Territorien und Seegebiete streiten. Doch während Laos, Kambodscha und auch Thailand schon länger eng mit Peking zusammenarbeiteten, haben sich nun neben den Philippinen auch Malaysia und zum Teil Indonesien der Wirtschaftsmacht diplomatisch angenähert.