Indonesien: Rat der Islamgelehrten bekennt sich zur Republik

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Jakarta , 23.04.2017 Das höchste Gremium des Islam in Indonesien hat der Forderung islamischer Hardliner nach Umwandlung des Landes in ein Kalifat eine Absage erteilt. „Das indonesische System ist die Republik. Über diese Säule der Nation besteht Konsens. Wir müssen das Kalifat nicht mehr in die Diskussion bringen“, sagte Ma’ruf Amin, Vorsitzender des Rats der Islamgelehrten unter Verweis auf „eine neue Gruppe, die ein anderes System will“. Das meldete die staatliche indonesische Nachrichtenagentur Antara am Sonntag.

Bei der Gruppe handelt es sich den Angaben zufolge um die salafistische Organisation Hizbut Tahrir Indonesia (HTI). Diese habe am Sonntag ein „Internationales Kalifat Forum“ in Jakarta abhalten wollen, das von der indonesischen Polizei kurzfristig verboten worden sei.

Die Gruppe HTI war treibende Kraft der islamistischen Kampagne gegen die Wiederwahl des Christen Basuki Tjahaja „Ahok“ Purnama zum Gouverneur von Jakarta. Laut inoffiziellem Ergebnis stimmten am 19. April 42 Prozent der Wähler für den amtierenden Gouverneur. Wahlsieger wurde demnach mit rund 58 Prozent sein Herausforderer Anies Baswedan.

Bei Demonstrationen mit mehreren Hunderttausend Teilnehmern vor der Wahl und in Predigten hatten die Islamisten die weltliche Grundlage Indonesiens in Frage gestellt. Zugleich forderten sie die Errichtung eines islamischen Kalifats mit dem Koran und der Scharia als gesetzliche Grundlagen. Indonesien ist weltweit das Land mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil.