Pattaya – May trägt heute ein gewagtes Nautik-Outfit. Die transsexuelle Prostituierte geht in einer Nebenstraße der Partymeile von Pattaya auf Kundenfang. Dass die thailändische Militärjunta nun aufräumen will mit dem Sünden-Image der Stadt, gefällt ihr gar nicht. Wie Zehntausende andere in der Branche hat sie nicht die Absicht, ihren Job aufzugeben. Zumal es keine Anzeichen dafür gibt, dass der Ansturm ausländischer Sextouristen in dem zwei Autostunden von Bangkok entfernten Badeort abflaut.


„Ich verdiene hier gutes Geld für mich und meine Familie“, sagt May, während Elektropop aus den Clubs und Bars dröhnt. Pattaya entwickelte sich zur Hauptstadt des Sextourismus, seit US-Soldaten während des Vietnamkriegs dort ihren Fronturlaub verbrachten. Heute lässt sich in der Sin City ohne Tabus viel Geld machen: Die erfolgreichsten Sexarbeiter setzen bis zu 4100 Euro im Monat um – das Zehnfache des landesweiten Durchschnittsverdienstes.


Doch Schlagzeilen über minderjährige Prostituierte, Drogenmissbrauch und Mafiamorde zwangen die Behörden nun zum Handeln. In den vergangenen Wochen gab es in dem Amüsierviertel laut May häufige Patrouillen von Polizei und Soldaten. „Wir wollen obszöne und schmutzige Shows abschaffen, wir versuchen, diese Bars verschwinden zu lassen“, erklärt Oberstleutnant Sulasak Kalokwilas – hinter ihm Schlangen von Frauen in offenherzigen Outfits, die Freier in Bars namens Taboo, G-Spot und Fahrenheit locken.


Pattayas Polizeichef Apichai Kroppeth versichert, die „Lady Boys“ und Frauen, die dort arbeiteten, seien nicht im Sexgeschäft. „Sie arbeiten als Kellnerinnen, plaudern mit Kunden, manche tanzen“, fügt er hinzu.


Angesichts von derartiger Beschönigungsrhetorik nehmen viele Bewohner von Pattaya die Ankündigungen der Behörden nicht ernst. Sie sehen darin eher einen PR-wirksamen Aktionismus, der ohne Konsequenzen bleiben wird.


Schließlich ist das Geschäft mit dem Sex nicht nur für die Prostituierten selbst lukrativ, sondern auch für Barbesitzer, Massagesalons, Hotels, die Mafia und nicht zuletzt für die Polizei: „Jeder profitiert davon, es bringt enorme Mengen an Geld und würde ohne Duldung durch die Polizei schlicht nicht funktionieren“, sagt der Journalist und Thailand-Experte Andrew Drummond. Polizeichef Apichai weist derartige Vorwürfe weit von sich.


Prostitution ist im konservativen Thailand illegal. Um der Strafverfolgung zu entgehen, sind Sexarbeiter offiziell nur zur Unterhaltung und zum Gespräch mit den Kunden angestellt. Verlassen sie mit einem Freier die Bar, erhalten sie jedoch eine „Provision“ von umgerechnet 13 Euro. Was dann passiert, gilt vor den Behörden als reine Privatangelegenheit.


Tatsächlich unterstützen die Prostituierten mit ihrem Verdienst oft große Familien. Nach einem Bericht des Gemeinsamen Programms der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV /Aids (Unaids) von 2014 hat Thailand rund 140.000 Prostituierte – allein in Pattaya sind es Zehntausende. Was aus ihnen werden soll, wird kaum diskutiert.


Tourismusdirektorin Suladda Sarutilavan verweist optimistisch auf die zunehmende Zahl von Familien, die Pattayas Badestrände und ihre Golfplätze besuchen. „Bei den Tourismuseinrichtungen sind wir schon ziemlich weit“, sagt sie.


2016 verzeichnete der Badeort zwölf Millionen Urlauber, davon 70 Prozent aus dem Ausland. Die Stadt bietet mehr als 100.000 Unterbringungsmöglichkeiten an, von günstigen Rucksackherbergen über Ferienwohnungen für Familien bis zu mondänen Golfresorts. Nicht alle Besucher seien Sextouristen, betont Suladda. Pattayas zwielichtiges Image sei allerdings ein Problem: „Damit fühlen wir uns ein bisschen unwohl“.






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