Bananenrepublik Thailand, Teil 3: Verschwundene Gedenktafel – Anwalt festgenommen

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Bangkok – Ein Rechtsanwalt wurde vom Militär festgenommen, weil er bei diesem schriftlich Aufklärung über den seltsamen Fall der verschwundenen Gedenktafel verlangte.

Rechtsanwalt Srisuwan Janya, bekannt für Strafanzeigen und Klage in Fällen von vermuteter Korruption und Pflichtverletzung im Amt, wurde von Soldaten zu einer Reise zu einem unbekannten Ort eingeladen, nachdem er das Petitionszentrum der Regierung betreten hatte. Er wollte einen an den Premierminister gerichteten Brief übergeben, in dem er ihn aufforderte, für die Aufklärung des mysteriösen Falles zu sorgen.

Ein Mitarbeiter der Bangkoker Stadtverwaltung, der namentlich nicht genannt werden wollte, teilte unterdessen mit, dass in dem Viertel keine einzige Überwachungskamera funktioniert.

Daher habe man kein Material, auf dem zu sehen sein könnte, was in diesem Viertel, in dem sich unter anderem der Regierungssitz, die Statue von König Rama V. und der Thronsaal Ananta Samakom befinden, zutrug.

Obwohl der Rechtsanwalt festgenommen wurde, erklärte der Premierminister, dass der Fall um die verschwundene Gedenktafel nicht wichtig sei. Es ginge nicht um Leben und Tod, man sollte lieber in die Zukunft blicken, sagte er. Es hätte keinen Zweck, über Geschichte zu streiten. Es liege vielmehr bei jedem, wie das Land vorankomme. Er sagte, er habe eine Untersuchung in Auftrag gegeben und warnte gleichzeitig, dass das Thema nicht ausgenutzt werden solle.

Letzten Freitag war aufgefallen, dass die in die Straße eingelassene Gedenktafel an die Revolution von 1932 ausgetauscht wurde. Auf der neuen Tafel wird nicht an den Sturz der absoluten Monarchie und den Beginn der Demokratie in Thailand erinnert, sondern unter anderem der Buddhismus und der Monarch glorifiziert.

Gestern wurde das Gebiet von der Polizei abgesperrt, Journalisten und Pressefotografen durften die Gedenktafel nicht mehr in Augenschein nehmen.

Unterdessen meldete sich eine royalistische Gruppierung und wies darauf hin, dass es unangemessen sei, dass das Königshaus auf einer Tafel erwähnt wird, die in die Straße eingelassen ist. Es sollte eine bessere Stelle gefunden werden – mindestens auf Augenhöhe.