Die ressourcenarme Japan ist ein Rohstoffriese im Wartestand. Im und am Meeresboden um die Inselnation herum lagern große Vorkommen an Methanhydrat. Nun plant das Land eine zweite Probebohrung.


Japan ist bisher nicht als Rohstoffnation bekannt. Das letzte Kohlebergwerk schloss vor 16 Jahren. Seither werden fossile Brennstoffe fast ausschließlich importiert. Doch dies soll sich nun ändern: Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie will eine zweite Probebohrung nach einem ganz besonderen Gasvorkommen beginnen, nach „brennendem Eis“ aus dem Meer.


Segen in Form von Methanhydrat


Bei der sorbetartigen Masse handelt es sich genauer gesagt um Methanhydrat, eine nette Laune der Natur. Es entsteht, wenn Methangas aus der Erde aufsteigt und im Permafrostboden oder am Meeresgrund in Wasserkristallen eingeschlossen wird, die unter hohem Druck entstanden sind. Und sehr zur Freude der hiesigen Wirtschaftsstrategen ist Japan dieses Mal gesegnet mit diesen Gasvorkommen. Denn die Inselnation wird von tiefen Meeren umgeben.


Allein ein Feld in der Nankai-Senke vor Nagoya könne Japans Gasbedarf für elf Jahre decken, schätzte einst Japans nationale Öl-, Gas- und Metall-Gesellschaft Jogmec, die die erste große Probebohrung in ein Methanhydrat-Reservoir begleitet hat. Insgesamt werden die Reserven auf das 100-fache von Japans jährlichen Flüssiggasimporten geschätzt. Dementsprechend groß sind die Ambitionen.
Verschiedene Fördertechniken erforderlich


Allerdings gibt es hohe Hürden für die Gasförderung. Die Reservoirs liegen entweder offen am Meeresgrund oder sind im Meeresboden eingeschlossen, was jeweils andere Fördertechnik erfordert. Außerdem müssen die Risiken für das maritime Ökosystem am Meeresboden abgeklärt werden: Erdrutsche, Einbrüche des Meeresbodens oder womöglich ein Aufblubbern großer Mengen Methan, das ein sehr effizientes Treibhausgas ist.


Dementsprechend langsam schreitet die Erforschung der Vorkommen voran. Immerhin vier Jahre sind seit dem ersten Versuch verstrichen. Dieses Mal sind zwei Bohrungen geplant. Ein Erfolg ist natürlich noch immer nicht garantiert. Die Förderung soll allerdings frühestens ab 2023 beginnen. Aber das Ministerium ist offenbar schon so zuversichtlich, dass prophylaktisch ein Konsortium mit rund 50 Firmen gegründet wird.
Methanhydrat: So nah und doch so fern


Es muss Japans Wirtschaftsplaner wurmen, so große Energiereserven so nahe zu wissen, ohne bisher an sie heranzukommen. Denn wachsende geopolitische Spannungen in den ölreichen Golfstaaten oder Ostasien sind ein Risiko für Japans Energiesicherheit. Schließlich kommt nach der Atomkatastrophe in Fukushima auch die Atomkraft nicht wieder so recht in Gang.


Selbst Japans bisher recht atomtreue Wirtschaftszeitung Nikkei warnte diese Woche, dass Japans Atomindustrie auszusterben droht. Denn es dürfte daheim kaum noch Nachfrage nach neuen Atomreaktoren geben. Das Knowhow könnte daher schrumpfen.


Japans Energie-Strategie


Ohne einen Kurswechsel dürfte Japans Energie-Strategie weiter in einem Zwischenreich verharren, weil die Regierung eher den Wiedereinstieg in die Atomkraft als konsequent neue Energieträger fördert. Wer weiß, ob Japans Regierung den Traum vom brennenden Eis sonst nicht schneller vorangetrieben hätte.






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