In Florida trifft ein gut vorbereiteter Xi auf einen US-Präsidenten, der trotz großer Worte nicht weiß, was er im Pazifik will. Und das ist beunruhigend.


Die Hände des Donald Trump haben der chinesischen Delegation viel Kopfzerbrechen beschert: Nach Trumps diplomatisch unorthodoxem Handgetätschel mit Japans Premier, Shinzō Abe, dann seiner brüskierenden Weigerung, Angela Merkel die Hand zu reichen, fragte sich das Team von Chinas Präsident besorgt: Was wird Trump in Florida mit den Händen seines Staatschefs, Xi Jinping, anstellen?


Immerhin ist China in der Rhetorik des US-Präsidenten Feind Nummer eins: Während des Wahlkampfes schimpfte Trump unter anderem, China würde „die US-Industrie vergewaltigen“. Verbale Salven Richtung Peking schoss Trump auch nach seinem Sieg weiter ab – egal, ob es um die chinesische Handels-, Nordkorea- oder Expansionspolitik im Pazifik ging. Zu all dem hat Peking bisher weise geschwiegen. Doch vor dem Treffen in Florida war man dann doch nervös – wegen des Protokolls: Chinesen hassen Improvisation. Sie sind daran gewöhnt, dass solche Treffen einem minutiös vorbereiten Skript folgen. Gesichtsverlust als Folge trumpesker Eskapaden käme einer Provokation gleich.


Wenn es aber um die Inhalte der Gespräche in Mar-a-Lago geht, kann Xi sich trotz aller Unvorhersehbarkeiten auf der starken Seite fühlen. Der gut vorbereitete und gewiefte KP-Chef hat einen großen Vorsprung gegenüber Trump: Er weiß, was er von Amerika will, und zwar eine Garantie für Stabilität angesichts der schwächelnden Wirtschaft daheim und gewichtiger innenpolitischer personeller Entscheidungen im Herbst. Peking will also einen Handelsstreit verhindern sowie möglichst geringen Widerstand gegen Chinas Interessen im Ausland. Das gilt vor allem in puncto Nordkorea: Die Volksrepublik wird jeden Druck auf den stalinistischen Nachbarn abblocken, der einen für China destabilisierenden Regimewechsel in Pjöngjang herbeiführen könnte; ganz egal, wie sehr Trump poltert.


Die USA hingegen machten bisher vor allem eines deutlich: Dass – jenseits aggressiver Worte – Trump keinen China-Plan hat. Offenbar wird innerhalb seines Stabs noch über den Kurs gestritten. Derzeit scheinen die Moderateren das Sagen zu haben. Darauf deutet Trumps 180-Grad-Wende bei der Taiwan-Politik im Februar hin, als sich der Präsident in einem Telefonat mit Xi dann doch wieder zur Ein-China-Politik bekannte. Keine klare Linie gibt es trotz harscher Rhetorik in Handelsfragen. Selbst bei Nordkorea scheinen die USA – trotz Präventivschlagsdrohungen, angedeuteter Alleingänge und Seitenhiebe Richtung Peking – planlos zu sein. Darauf deutete die enigmatische Reaktion des US-Außenministers nach der jüngsten Raketenprovokation hin: „Wir haben genug zu Nordkorea gesagt“, ließ er wissen. Last, but not least schwächt Trump sein Expertenmangel: Die Ernennung eines Ostasien-Beauftragten steht aus, im State Department wird gespart. Der Draht zu China ist derzeit Jared Kushner, Trumps engagierter, aber unerfahrener Schwiegersohn.


Das alles spielt Peking in die Hände. Trump war bereits, ungewollt, Pekings hegemonialen Ambitionen in der Region entgegengekommen, als er dem Transpazifischen Handelsabkommen eine Absage erteilte – und den USA einen strategischen Zugang zur Region versperrte. China war in der pazifischen Freihandelszone nicht vorgesehen.


Xi wird indes in Mar-a-Lago eine Bühne finden, um sich im internationalen Scheinwerferlicht als weiser Elder Statesman zu präsentieren, der den erratischen Trump zu zähmen versucht – vielleicht mit Investitionsspritzen für US-Jobs. Er wird den Vertreter einer globalisierten Weltordnung geben, den Kämpfer gegen Handelsbarrieren und Klimaschutz (die lästige Menschenrechtsfrage braucht er nicht zu fürchten, die wird Trump nicht stellen). Diesen Part hat der Chef des repressiven – und gegenüber Nachbarn zunehmend aggressiven – China bereits mit großem Vergnügen beim Weltwirtschaftsforum in Davos gespielt.


Dass Xi dermaßen triumphierend in diese Rolle schlüpfen kann, macht Mar-a-Lago zum surrealen Setting einer durcheinandergeratenen Weltordnung – auch wenn der Handshake lupenrein ausfallen sollte. Vielleicht motiviert das Treffen Trump, bald einen überzeugenden Asien-Plan vorzulegen.






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