In den USA konsumierte Drogen kommen oft aus China, vor allem synthetische Substanzen. Washington macht deshalb Druck auf Peking. Aber auch in China droht der Handel mit Designerdrogen außer Kontrolle zu geraten.


Schon der Besitz von 50 Gramm Heroin reicht in China aus, um zum Tode verurteilt zu werden. Die Volksrepublik bestraft Drogenkriminelle mit unnachsichtiger Härte – egal, ob es sich um chinesische Staatsbürger oder um Ausländer handelt. Doch die Abschreckung scheint wenig zu bewirken, wie der aktuelle Drogenbericht Chinas zeigt.


Die Dealer seien im Geschäft mit China „organisierter, nutzen das Internet, sind professioneller und gewaltsamer“, sagte der Vizechef der zuständigen Behörde, Liu Yuejin. Ausländer mischten beim Drogenhandel immer stärker mit, warnte er, das sei ein „wachsender Trend“.


Es geht dabei immer noch um Heroin aus dem sogenannten Goldenen Dreieck (Birma, Laos und Thailand) und dem Goldenen Halbmond (Afghanistan, Pakistan und Iran) oder um Kokain, das von Südamerika nach China geschmuggelt wird.


Gewaltige Drogenkrise in den USA


Aber traditionelle Rauschgifte gelten nicht mehr als Chinas schlimmstes Problem: Synthetische Drogen sind auf dem Vormarsch, die in der Volksrepublik hergestellt werden und von dort aus in alle Welt gelangen.


Auch in die USA, die ein gigantisches Problem mit Drogen haben – mit Heroin, aber auch mit Opioiden und synthetisch hergestellten Substanzen. Sie haben zu einer Krise in der öffentlichen Gesundheit geführt.


Dazu gehören auch das Schmerzmittel Fentanyl und die Partydroge Flakka, die sich Abhängige über das Internet beschaffen. Zu den bekanntesten Todesopfern durch Fentanyl gehören Michael Jackson und Prince. Washington hat Peking deshalb gedrängt, den Handel mit diesen Mitteln stärker zu kontrollieren.


„Zehntausendmal stärker als Morphin“


Das ist durchaus auch in Chinas Interesse. Denn unter den 2,5 Millionen Drogenabhängigen im Land sind laut Liu 1,5 Millionen, die süchtig nach synthetischen Drogen sind. China gilt als einer der größten Hersteller besonders gefährlicher Varianten, die als Psychodrogen (NPS) bekannt sind.


In der Debatte ist auch Fentanyl, das laut Liu extrem stark ist, „zehntausendmal stärker als Morphin“. Morphin wird aus Opium gewonnen und gilt als das stärkste natürliche Schmerzmittel.


Peking reagierte bereits auf den Druck der USA. Die künstlichen Drogen sind zu „kontrollierten“ Substanzen erklärt worden, sie dürfen nicht mehr frei verkauft werden. Peking nimmt für sich in Anspruch, im vergangenen Jahr 438 Untergrundlabore für synthetische Drogen zerstört zu haben.


Fast 1900 ausländische Verdächtige festgenommen


Doch nach Medienberichten umgehen manche Hersteller diese Verbote, indem sie die Zusammensetzung ein wenig ändern und ein „neues“ Produkt auf den Markt bringen, das nicht erfasst ist.


Pekings Kampf gegen Drogen sei ein „Volkskrieg“, sagte Liu. Weil der Markt so groß ist, locke er zunehmend ausländische Dealer an. Im vergangenen Jahr hätten Chinas Rauschgiftfahnder 1481 Fälle aufgedeckt und 1876 ausländische Verdächtige festgenommen.


Deren Herkunftsländer nennt Peking nicht. Im Jahresbericht 2015 wurden allerdings für die damals festgenommenen 1927 Ausländer 39 Herkunftsländer angegeben, allen voran Birma, Vietnam, Nigeria und Pakistan.


Stillende Mütter und Schwangere als Drogenkuriere


„Besonders auffällig“, sagt Liu, „waren 2016 afrikanische und südostasiatische Drogensyndikate.“ Sie hätten Heroin aus Ländern des Goldenen Halbmondes nach China gebracht. Dabei seien „Spezialgruppen“ als Schmuggler benutzt worden, wie „schwangere Frauen, stillende Mütter, Schwerkranke, Behinderte oder HIV-Infizierte“.


Der Handel nach China wird laut Liu immer öfter über das Meer organisiert. Peking erhält so einen Vorgeschmack über die neuen Risiken, die es mit der Öffnung durch seine Seidenstraßenpolitik eingeht. Die Offensive soll den Landweg von China über Zentralasien, Arabien bis Europa und den Seeweg entlang der Küsten Südostasiens und Afrikas erschließen.


Diese Wege nutzen allerdings auch die Drogenhändler. Ein Beispiel bietet das Nachbarland Afghanistan. Das Antidrogenbüro der Vereinten Nationen (UNODC) hat durch Messungen mithilfe von Satelliten festgestellt, dass sich die Fläche für den Opiumanbau im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf mehr als 201.000 Hektar erhöht hat. Potenzielles Abnehmerland ist China.


Aufklärung mit Satelliten und Drohnen


Auch Peking nutzt modernste Technik im Kampf gegen Drogen. Denn obwohl ihr Anbau in der Volksrepublik verboten ist, werden heimlich Opium und Marihuana angepflanzt. Im vergangenen Jahr wurden nach offiziellen Angaben durch Aufnahmen von Satelliten und Drohnen 5578 illegale kleine Felder entdeckt und 5345 Verdächtige festgenommen.


Die Operation hieß „Sky Eye 16“ – die beinahe poetisch klingenden Begriffe Himmelsauge oder Himmelsnetz benutzt Peking immer dann, wenn es gilt, etwas Illegales auszuspähen oder Gesetzesbrecher festzunehmen.






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