Der weltgrößte muslimische Staat galt lange als Beispiel für Toleranz. Aber es erscheint paradox: Seit das Land eine Demokratie wurde, sind die Islamisten auf dem Vormarsch. Die Fanatiker waren gut vorbereitet.


Wenn Muslime in Europa, die einen toleranten und liberalen Islam propagieren, gefragt werden, wo es selbigen gibt, lautet die Antwort: Indonesien. Mit seinen 240 Millionen Einwohnern und 85 Prozent Muslimen ist Indonesien der größte islamische Staat – und der einzige, in dem die großen Weltreligionen gleichgestellt sind.


Das beinhaltet den Bau von Gotteshäusern und Religionsunterricht für alle, Glaubenswechsel in jede Richtung, Gesetze ohne Scharia. Und in den Metropolen existiert sogar eine offene Homosexuellenszene.


Zwar gab es nach dem Ende der niederländischen Kolonialzeit 1945 Versuche, den Islam zum Maßstab der Gesellschaft zu machen, doch die Väter der Unabhängigkeit – allen voran der erste Präsident Sukarno – sind dem entgegengetreten. Selbst Sukarnos Nachfolger, der Diktator Suharto, sah sich als Garant religiöser Toleranz.


Die Fanatiker waren gut vorbereitet


Das besonders Makabre an der Entwicklung: Mit der Demokratisierung nach Suhartos Sturz 1998 begann die Islamisierung. Sie engt die Freiräume noch mehr ein als die Diktatur; auch die der liberalen Muslime.


Die Fanatiker waren gut vorbereitet. In den ersten sechs Monaten nach dem Ende der Diktatur entstanden 42 radikalislamische Organisationen, darunter die FPI (Islamische Verteidigungsfront), Wortführer der Bewegung.


Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte die Kampagne in den letzten Monaten. Auslöser war die Wahl zum Gouverneur der Hauptstadt Jakarta. Der Amtsinhaber Basuki Purnama, genannt Ahok, gehört einer doppelten Minderheit an, er ist Chinese und Christ – und extrem populär, weil er gegen die Korruption vorgeht.


Im Februar musste er sich zur Wahl stellen. Noch vor Jahresfrist galt der Urnengang als Formsache, denn die radikale Agitation schien in der weltoffenen Metropole ins Leere zu laufen. Schließlich fand die FPI doch einen Ansatz: eine Wahlkampfäußerung Ahoks, die sie als „Blasphemie“ brandmarkte.


Der radikale Islam macht Stimmung


Die Justiz akzeptierte die manipulierte Anklage, der Prozess läuft noch. Und bald bevölkerten Hunderttausende weiß Gekleidete die Straßen der Hauptstadt, um gegen Ahok und für einen radikalen Islam Stimmung zu machen.


Nebenbei wurden Einkaufszentren gestürmt, um den Verkauf von Weihnachtsdekoration zu verhindern. Beim ersten Wahlgang verfehlte Ahok mit 43 Prozent die absolute Mehrheit. Im April muss er sich einem zweiten Wahlgang stellen.


Die Radikalen denken langfristig und investieren viel in die Erziehung. Allein auf der Insel Java gibt es über 14.000 Pesantren, islamische Internate, die immer mehr unter arabischen Einfluss geraten.


Steinigung für Ehebruch


Auch schreibt sich eine wachsende Zahl indonesischer Studenten an arabischen Universitäten ein. Die Rückkehrer werfen ihren Müttern vor, schlechte Musliminnen zu sein, wenn sie kein Kopftuch tragen oder nicht jeden Tag beten.






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