Hongkongs Ex-Verwaltungschefin ruft Briten und Europäer zur Hilfe

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Die langjährige Hongkonger Verwaltungschefin Anson Chan hat die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien und andere Länder wie Deutschland aufgefordert, stärker für freiheitliche Grundrechte in der früheren britischen Kronkolonie einzutreten. Der Pekinger Führung warf die frühere Nummer Zwei der Sonderverwaltungsregion Chinas «unverhohlene Einmischung» vor. Scharfe Kritik übte die 77-Jährige «Eiserne Lady Hongkongs» am Freitag an dem Peking-freundlichen Wahlkomitee, das am Sonntag voraussichtlich die 59-jährige Carrie Lam zur neuen Regierungschefin bestimmen wird.

«Sie haben mehr als deutlich gemacht, wer ihr bevorzugter Kandidat ist – und das ist Carrie Lam», sagte Chan der Deutschen Presse-Agentur. Sie beklagte wachsenden Einfluss Pekings und eine Aushöhlung der Unabhängigkeit der Justiz und der Pressefreiheit. Aus Rücksicht auf Wirtschaftsinteressen in China schweige selbst Großbritannien. «Sie haben eine moralische und rechtliche Verpflichtung, „Ein Land, zwei Systeme“ zu verteidigen», sagte Chan zu dem Autonomie-Grundsatz für die Rückgabe 1997.

Auch die Deutschen und andere Europäer müssten gegenüber Peking für freiheitliche Rechte eintreten. «Wer ihnen erlaubt, mit ihrem Mobbing davonzukommen, erntet nicht den Respekt der chinesischen Führung.»