Kambodscha: Neue Kirche, alte Gemeinde

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Für die einen mag es ein schlichter Kirchenneubau sein, aber für Ortspfarrer Gustavo Adrian Benitez ist es eine „eine unglaubliche Freude”. Verständlich, wenn man bedenkt, wo das neue Kirchlein seinen Platz gefunden hat: In Po Thon, Kambodscha, wo eine katholische Gemeinde seit mehr als 100 Jahren besteht – und das grausame Regime des kommunistischen Diktators Pol Poth überlebt hat.

Das Regime und seine Märtyrer sind noch in der Erinnerung der Älteren präsent: Bis Ende der 70er Jahre hatte der kambodschanische Diktator das Land mit einer Schreckensherrschaft überzogen, Intellektuelle und Gebildete standen seinem wahnwitzigen Plan einer ruralen Gesellschaft im Weg und wurden zuerst eingekerkert, dann hingerichtet. Erst die Intervention des Nachbarn Vietnam setzte dem Treiben von Pol Poth ein Ende, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind jedoch bis heute angespannt.

Das berichtet auch Pater Benitez, der gleichzeitig drei Gemeinden betreut: Zwei davon sind, obwohl in Kambodscha geboren, vietnamesisch, eine, nämlich diejenige, in der die neue Kirche steht, ist eine reine Khmer-Gemeinde. Die Khmer bilden die größte ethnische Gruppe in Kambodscha.

Der katholischen Kirche kommt bei der Versöhnung, aber auch in der Erziehung eine wichtige Rolle zu, so Pater Benitez. „Das sind Völker, die sich nicht gut vertragen, aufgrund der Vergangenheit sowohl Kambodschas als auch Vietnams; das ist eine Spannung, die bis heute reicht und die auch die katholische Gemeinschaft in Mitleidenschaft zieht. Deshalb ist es für uns wirklich eine Herausforderung, bei der Erziehung, der Bildung… Aber es ist auch eine Herausforderung für das Land, auf politischer und sozialer Ebene: wieder Brücken zwischen den beiden Ländern zu schlagen.“

Vor allem die älteren Generationen seien noch von der kommunistischen Diktatur gezeichnet, erzählt uns der Pater, der dem Päpstlichen Auslandsmissionswerk PIME angehört. Die jüngeren Generationen bekämen in der Schule nicht unbedingt von der unrühmlichen Vergangenheit des Landes zu hören: „Das ist ein Volk, das auch vergessen will,“ so Pater Benitez. In nur vier Jahren, zwischen 1975 und 1979, hatte der „Steinzeitkommunismus“ der Roten Khmer eine unglaubliche Anzahl Opfer gefordert:

„Man schätzt, dass drei Millionen Kambodschaner getötet worden sind. Ein grausames Regime gegen die eigene Bevölkerung: also Kambodschaner gegen Kambodschaner. Und das ist vielleicht das, was am schwierigsten zu verstehen ist. Er wollte Kambodscha von Null an neu aufbauen, die Bevölkerung umerziehen, und um das zu tun, musste er praktisch die gebildeteren Schichten ausmerzen: Ärzte, Anwälte… Sie alle sind eingekerkert und dann getötet worden. Als Pol Poth in Phnom Phen eingezogen ist, hat er verlangt, dass alle die Stadt verlassen, und alle haben auf den Feldern gearbeitet.“

Innerhalb von 24 Stunden wurde die Hauptstadt Kambodschas damals praktisch entvölkert; wer nicht in Konzentrationslagern umgebracht wurde, musste sich dem kräftezehrenden Leben beim Reisanbau stellen. Für 35 Opfer des Regimes ist ein Seligsprechungsprozess angestrengt worden, einige seiner Gläubigen kannten diese noch persönlich, erzählt der Pater weiter. „Da waren vor allem zwei Priester, Pater Salem und der Bischof Joseph Chhmar Salas. Vor dem Einmarsch von Pol Poth und vor 1975 haben sie in diesen Gemeinden die Messe zelebriert. Das heißt, viele unserer älteren Katholiken haben sie kennen gelernt und mit ihnen die Messe zelebriert.“

Heute stehe Kambodscha vor vielfältigen Herausforderungen, besonders dringlich scheine ihm dabei die Ausbildung der jungen Menschen, um ihnen eine bessere Zukunft als die ihrer Eltern zu garantieren. Doch auch auf politischer und sozialer Ebene müsse viel getan werden, denn Kambodscha sei ein Land, das derzeit große Entwicklungen durchmache. An vorderster Front mit dabei: Die Missionare, die unter großem Einsatz die katholischen Gemeinden in Kambodscha betreuen. „Hier in Phnom Penh im Vikariat haben wir mehr als 40 Gemeinden, die von zwanzig Priestern betreut werden. Eine der Hauptherausforderungen ist die pastorale Sorge, dann aber auch der Aspekt der Förderung von Menschlichkeit und Rechten… die soziale Front und die Trennungen, aber auch die Erziehung…“

Die Beziehungen zu den anderen Religionsgemeinschaften, so vertraut uns der Pater zum Schluss noch an, seien außerordentlich gut. Hauptreligion in Kambodscha ist der Buddhismus. „Bei allen unserer Aktivitäten ist nur eine kleine Prozentzahl Katholiken, der Rest sind alles Buddhisten… Kinder, Jugendliche und ältere Menschen, wir sind sehr geschätzt bei ihnen. Die Beziehungen sind sehr gut.”