Sechs Jahre nach dem Tsunami in Japan mit Tausenden Opfern leiden viele Menschen weiter unter den Folgen. Der Rückbau der Atomruine Fukushima wird noch Jahrzehnte dauern. Japans rechtskonservativer Premier Abe betont indes Fortschritte beim Wiederaufbau.


Tokio – Sechs Jahre nach der verheerenden Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe in Japan haben die Menschen mit Gebeten und einer Schweigeminute der Tausenden Opfer gedacht. Um 14.46 Uhr Ortszeit (6.46 Uhr MEZ) – dem Zeitpunkt, an dem am 11. März 2011 das Beben die Region Tohoku im Nordosten des Landes erschütterte – legten die Menschen an vielen Orten eine Schweigeminute ein. Rund 18 500 Menschen waren in den Fluten ums Leben gekommen. Im Atomkraftwerk Fukushima war es zum Super-Gau gekommen. Bis die Atomruine zurückgebaut ist, wird es noch Jahrzehnte dauern. Dennoch hebt die rechtskonservative Regierung die Evakuierungsanordnung für einige der umliegenden Gebiete auf.


Erinnerung an getöteten Bruder


Eine ältere Krankenschwester erinnerte am Gedenktag an ihren Bruder – einen Polizisten, der damals Anwohner vor dem Tsunami in Sicherheit gebracht hatte, bevor er selbst in den Tod gerissen wurde. Sie sei stolz auf ihn, sagte die Schwester. „Aber ich möchte, dass er zurückkommt.“ Rund 2500 der Opfer werden offiziell weiter als vermisst geführt. Polizisten, die Küstenwache und Freiwillige suchten am Samstag erneut nach ihren Überresten, denn für Japaner können die Seelen nicht eher ruhen.


Ministerpräsident Shinzo Abe sagte bei einer Gedenkveranstaltung der Regierung in Tokio Medien zufolge, der Wiederaufbau der Region Tohoku habe eine „neue Stufe erreicht“. Er verwies demnach auf Infrastrukturmaßnahmen sowie die Aufhebung von Evakuierungsverfügungen im Raum Fukushima. Bislang sind jedoch nur wenige frühere Anwohner bereit, der Aufforderung des Staates zur Rückkehr in ihre Häuser zu folgen.


Angst vor Krebserkrankungen


Vor allem die Jüngeren haben auch angesichts von Berichten über zunehmende Fälle von Schilddrüsenkrebs unter Kindern weiter Angst. Andere haben inzwischen ein neues Leben anderswo begonnen. Gerade mal gut zehn Prozent der Menschen aus fünf Gemeinden der Präfektur Fukushima, die die Region wegen des Gaus verlassen musten, sind bisher in ihre früheren Häuser zurückgekehrt. Meist sind es Ältere.
Mehr als 120 000 Menschen, die wegen der Dreifach-Katastrophe fliehen mussten, leben noch immer entwurzelt. Viele hausen in containerähnlichen Behelfsgebäuden. Mehr als 3500 Betroffene sind in Folge seelischer und körperlicher Erkrankungen gestorben oder haben sich das Leben genommen. Zudem werden immer wieder Kinder, die aus Fukushima geflohen sind, Opfer von Schikane. Das Problem ist so ernst, dass die Regierung jetzt eine Erhebung plant.






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