Khamla Panyasouk war buddhistischer Mönch. Heute kämpft er gegen Analphabetismus in Laos, einem Staat, der kommunistisch regiert wird und vom Buddhismus geprägt ist. Zusammen mit einem anderen Ex-Mönch hat er einen Verlag gegründet, der auch religiöse Schriften den Massen zugänglich machen soll. Bisher schreitet die Zensurbehörde nicht ein.


„Ich war gerade 13 Jahre alt und habe zuerst überhaupt nicht verstanden, warum ich Mönch werden sollte. Der Grund war: Meine Eltern wollten, dass ich weiter zur Schule ging; und in meinem Dorf gab es kein Gymnasium, deshalb musste ich nach Luang Prabang auf die Tempelschule.“


Khamla Panyasouk war der einzige in seiner Familie, der lesen konnte. Deshalb schickten ihn seine Eltern vor 20 Jahren in ein Kloster in die 50 Kilometer entfernte alte Königsstadt am Mekong. Sechs Stunden flussabwärts mit einem Langboot dauerte Khamlas Reise nach Luang Prabang. Eine Straße gab es damals noch nicht.


„Meine vier Schwestern sollten bei meinen Eltern bleiben und ihnen bei der Farmarbeit helfen. Ich war das erste Mal monatelang weg von Zuhause und hatte großes Heimweh. Aber dann hat es mir im Kloster gefallen und ich habe viel gelernt: Englisch, Mathematik, Geografie, Geschichte. Man meditiert viel und denkt über den Sinn des Lebens nach. Die Mönche haben mir gezeigt, wie man betet und den Lehren Buddhas folgt und ein guter Mensch wird. Sechs Jahre lang war ich im Kloster.“


Seit Jahrhunderten prägt der Buddhismus den Alltag in Laos. Mönche unterrichteten in Tempelschulen die Kinder armer Bauernfamilien. In ihren Bibliotheken sammelten sie religiöse Parabeln, die auf Palmblättern niedergeschrieben und zusammengeheftet wurden und die, wie der Buddhismus selbst, aus Indien stammten.


In jedem der 32 Stadtviertel Luang Prabangs steht mindestens ein Tempel. Die Anwohner gehen täglich dorthin, um zu opfern oder Rat bei Problemen zu suchen.


„Die Menschen achten die Mönche“, sagt Khamla. „Die meisten haben die buddhistischen Lehren von ihren Eltern, Großeltern und Urgroßeltern übernommen. Auch heute noch sollte jeder junge Laote eine Zeit lang als Mönch im Tempel gelebt haben, um die buddhistischen Schriften zu studieren.“


Sechs Jahre lang machte sich Khamla, so wie die Tradition es verlangt, jeden Morgen um vier auf den Weg und nahm Lebensmittelspenden der Gläubigen entgegen. Diese Prozessionen, bei denen hunderte Mönche in orangefarbenen Gewändern barfuss durch die Altstadt ziehen, sind zur Touristenattraktion geworden. Früher – von 1975 bis zur Jahrtausendwende – waren sie überlebenswichtig für die Mönche. Denn die kommunistische Partei strich ihnen all jene Zuwendungen, die die Könige früher gewährt hatten. In mühevoller Kleinarbeit hielten sie die Tempel mit ihren farbenfrohen Mosaiken instand. Heute zahlen Touristen hier Eintritt. Khamla Panyasouk erzählt, warum er das Kloster in Luang Prabang nach sechs Jahren wieder verlassen hat.


Verlagsarbeit gegen Analphabetismus


„Für eine umfassende religiöse Ausbildung als Mönch hätte ich in einen Tempel in V++ientiane, der Hauptstadt, gemusst. Das wäre zu weit weg von meinen Eltern gewesen. Also beschloss ich, Lehrer zu werden.“


Khamla wollte etwas unternehmen gegen die hohe Analphabeten-Quote in Laos. Im Lehrerseminar lernte er Somphong kennen. Auch er hatte eine Zeit lang als Mönch gelebt und sich mit den Schriften der Palmblattbibliotheken beschäftigt, besonders mit den Parabeln von Siaosawat, der in Laos als der weise Richter bezeichnet wird. Es sind Bildergeschichten aus bunten Glasmosaiksteinen – zu finden sind sie im Wat Xieng Thong, einer der ältesten Tempelanlagen Luang Prabangs, an den Wänden der roten Kapelle. Niemand hatte diese Geschichten, die auf Sanskrit überliefert sind, bisher ins Laotische übersetzt. Für Khamla und Somphong war klar: Sie wollen die Parabeln von Siaosawat in Laos verbreiten. Sie gründeten einen eigenen Verlag, nannten ihn „Big Brother Mouse“ und verlegten diese Geschichten von den Tempelwänden auf Laotisch und auf Englisch.


„Normalerweise sehen die Menschen, die den Tempel besuchen, nichts weiter als nur schöne Bilder von Tieren und Glasmosaikfiguren, aber wenn man das Buch dazu liest, kann man die Bilder an den Wänden auch verstehen.“


Buch-Partys, buddhistische Parabeln und Kochbücher


Heute ist Khamla Geschäftsführer von „Big Brother Mouse“, einem der wenigen unabhängigen laotischen Verlage, nur einen Steinwurf vom Tempel Wat Xieng Thong entfernt. Über 250 Bücher hat der 33-Jährige bisher veröffentlicht: Abenteuerromane, Kochrezepte oder Lesebücher und sogar eine Übersetzung des Anne-Frank-Tagebuchs.


Mit Buch-Partys überall im Land versuchen sie, Kinder und Jugendliche fürs Lesen zu begeistern. Besonders beliebt sind die alten religiösen Fabeln oder Bücher über das Leben von Prinz Siddhartha.


Mit der Zensurbehörde im kommunistisch regierten Laos hatte Khamla mit seiner religiösen Literatur bisher keine Probleme.


„Wir haben es immer wieder geschafft in langen Gesprächen zu begründen, warum wir etwas machen wollten und letztendlich haben sie es uns immer erlaubt. Nur als wir ein Aufklärungsbuch drucken wollten, haben sie es verboten.


Momentan arbeitet Khamla daran, die beliebtesten Titel online zu stellen.


„Ich möchte wirklich erreichen, dass alle laotischen Familien eine bessere Bildung bekommen und lernen, dass es sich lohnt, dafür Geld auszugeben. Verglichen mit der Vergangenheit ist es zwar besser geworden, aber es ist noch lange nicht gut. Dass bei uns immer noch Kinder von der Schule abgehen und nicht lesen können – das darf nicht sein.“


Wann immer er Zeit hat, besucht Khamla seinen alten Abt. Dann nimmt er seine beiden Töchter mit, damit sie von den Mönchen lernen, so wie er als Kind. Und irgendwann möchte Khamla auch wieder im Tempel leben.


„Es ist ein friedlicher Ort, an dem man zu sich selbst finden kann. Viele Laoten gehen im Alter wieder in einen Tempel zurück, denn es ist ein guter Ort zu sterben. Man kann sein Leben reflektieren – ohne Angst vor dem Tod. Eines Tages muss man sterben. Man muss vorher glücklich mit sich selber werden.“






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