In asiatischen Ländern wie Japan oder Taiwan nutzten die USA im Kalten Krieg das Mittel der Bodenreform, um ein Vordringen des Kommunismus zu verhindern. Einer ihrer wichtigsten Berater war dabei der aus der Sowjetunion geflüchtete Ökonom Wolf Ladejinsky.


Es war Wolf Ladejinsky, ein im Jahr 1921 aus der Sowjetunion geflohener Ökonom und Landwirtschaftsexperte, der Japan und Taiwan dabei unterstützt hat, große landwirtschaftliche Reformen umzusetzen. Diese hatten zur Folge, dass beide Länder vollständig in der Lage waren, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Diese Reformen gewährleisteten auch, dass diese Länder großteils kapitalistisch blieben.


Zeit des Bestehens der Sowjetunion konnten mehrere Dissidenten und Flüchtlinge in den USA bedeutsame Positionen erlangen. Allerdings gelang es nur wenigen von ihnen, kommunistisch inspirierte politische Lösungen auf den Weg zu bringen, um dem Kommunismus selbst entgegenzuwirken. Wolf Isaac Ladejinsky ist eines der wenigen Beispiele dafür.


Ladejinsky kam im Jahre 1899 in der damals zum Russischen Zarenreich gehörigen Ukraine als Sohn einer verhältnismäßig wohlhabenden Familie zur Welt. Bis zur bolschewistischen Revolution genoss er ein recht angenehmes Leben, dann wurde jedoch das Unternehmen des Vaters von der Regierung enteignet.


Im Jahr 1922 floh er aus dem Land und reiste als Flüchtling in die USA ein. Nachdem er sich schnell die englische Sprache angeeignet hatte, trug er sich auf der Columbia-Universität ein, wo er einen Bachelorgrad und anschließend einen Doktortitel der Ökonomie erlangen konnte.


Seine Publikationen über die Kollektivierung der Landwirtschaft eröffneten der Welt eine seltene russische Perspektive auf die Politik, die sich zu jener Zeit zutrug“, erklärte der frühere Weltbank-Landwirtschaftsexperte Vikas Chandran. „Seine späteren Werke und politischen Ansätze waren stets stark von diesem Aspekt des Lebens in der Sowjetunion beeinflusst. Und das, obwohl er es sich beinahe zu einer Lebensaufgabe gemacht hatte, die Ausbreitung des Kommunismus zu stoppen.“


Im Jahr 1935 begann Ladejinsky im US-Landwirtschaftsministerium zu arbeiten. Sein Fokus lag auf ausländischen Angelegenheiten im Zusammenhang mit der Landwirtschaft. Er begann, das sowjetische Modell zu studieren, aber entwickelte auch Interesse an der Landwirtschaft in Asien, insbesondere in Japan, Indien und der damals noch britischen Kolonie Malaya, die unter anderem die heutigen Staaten Singapur und Malaysia umfasste.


„Er betrachtete die Verteilung und Umverteilung von Boden zunehmend als einen Schlüsselfaktor für politische Stabilität“, schrieb Ben Stavis über Ladejinsky. Stavis ist der Leiter des Programms für Asienstudien an der Temple-Universität in Philadelphia, PA.


Er hat die Macht hinter dem bolschewistischen Slogan „Frieden, Land, Brot“ entdeckt. Er nahm an, dass, je mehr Bauern über eigenes Land verfügten, der Kommunismus umso stärker an Anziehungskraft verlieren würde. Eigentum an Grund und Boden war in höchstem Maße politisch und eine Bodenreform könnte zu einem antikommunistischen Instrument werden.


Die Bodenreformen in Japan


In seinen vor dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Werken gelangte Ladejinsky zu der Überzeugung, dass Japans Eroberungskriege in Taiwan und Teilen Nordchinas in hohem Maße durch den Hunger bedingt waren, der sich im Rahmen des dortigen Feudalsystems ausgebreitet hatte.


Im Jahr 1945 wurde er Mitglied der Mannschaft von General Douglas MacArthur, der als oberster Befehlshaber der alliierten Militärregierung im Nachkriegsjapan fungierte. Ladejinsky trat für eine friedliche Bodenreform in dem vom Krieg verwüsteten Land ein.


Im Zuge der Landreformen, die MacArthur und Ladejinsky durchführten, wurden mehr als zwei Millionen Hektar von Großgrundbesitzern enteignet und an frühere Pächter verkauft.


Anders als in der UdSSR der 1920er und 1930er Jahre war keine Gewalt und keine Form direkten Zwangs im Spiel“, erklärte Vikas Chandran. „Das hatte einen enormen Effekt auf das Leben von Millionen Bauern in Japan. Hier hat ein kapitalistisches Land eine essenziell sozialistische Maßnahme durchgeführt und dadurch verhindert, dass die schwächeren Teile der Gesellschaft bei Kommunisten nach Unterstützung suchten.“


Stavis erklärte die problemlose Abwicklung des Vorhabens damit, dass es den Grundbesitzern nicht möglich war, private Armeen zu organisieren, die sich gegen die Besatzungsmächte gewendet hätten.


Die Bauern, die umverteilte Grundstücke zugeteilt bekommen hatten, bildeten später den Kern der Basis für Japans Liberaldemokratische Partei. Die Kombination aus politischer Stabilität und der harten Arbeit der Bauernschaft half Japan, zum ökonomischen Kraftzentrum zu werden.


Als Bauern waren sie in höchstem Maße motiviert, in ihre Landwirtschaften zu investieren und die Produktion auszuweiten“, schrieb Stavis. „Japans landwirtschaftliche Produktivität zeigte über die Jahrzehnte hinweg solides Wachstum.“


Taiwan erlebte ähnliche Erfolge


In der Endphase des chinesischen Bürgerkrieges versuchte Ladejinsky den chinesischen Nationalisten dabei zu helfen, eilige Landreformen durchzuführen, aber es war zu spät. Er übersiedelte nach Taiwan und führte seine politischen Anstrengungen auf der Insel fort. Die politische Führung der Insel begrüßte die Idee, eine Bodenreform durchzuführ1en, da diese die Machtstrukturen auf dem Land schwächen würde, die ein potenzielles Hindernis für die Nationalisten darstellten.


Wie schon in Japan, war die Bodenreform auch in Taiwan sehr erfolgreich“, schrieb Stavis. „Sie hat eine Klasse von Kleinbauern geschaffen, die über tatsächliche Anreize verfügten, ihre landwirtschaftliche Produktion auszubauen. Diese Klasse war beständig konservativ und trug so zur sozialen und politischen Stabilität Taiwans bei.“


Sowohl in Japan als auch in Taiwan händigte man den Großgrundbesitzern zum Zwecke der Kompensation Anleihen von Industrieunternehmen aus. Dies trug in beiden Ländern zu einer beschleunigten Industrialisierung bei.


Durchwachsene Bilanz in Indien


In einem späteren Abschnitt seiner Karriere versuchte Ladejinsky mit geringerem Erfolg, seine Modellversuche auch in Indien und anderen asiatischen Staaten umzusetzen.


Am Ende seiner Karriere weilte er als Berater für die Weltbank in Indien. Die New York Times schrieb nach seinem Tod im Jahre 1975, Ladejinsky wurde seinem eigenen Projekt gegenüber immer kritischer, als politische Eigenheiten und ein Widerstreit von Prioritäten die großen Versprechungen der indischen Regierung abschwächten, die eine umfassende Landreform angekündigt hatte.


Im Jahr 1971 schrieb der Ökonom:


Bis die Bauernschaft beginnt, gemäß ihren eigenen Interessen zu wählen, sehe ich fast keine Möglichkeit in diesem Teil der Welt, umfassende Agrarreformen auf rechtsstaatlichem Wege durchzuführen.


Mehr als fünf Jahrzehnte nach seinem Tod ruft der Prozess der Bodenreform immer noch starke Emotionen hervor. In jedem Fall half der flexible und überlegte Zugang zu diesem Thema den USA, die Ausbreitung des Kommunismus zu verhindern.


Nachsatz


Die Tatsache, dass Ladejinsky in der Sowjetunion geboren wurde und sich für Bodenreformen zum Zwecke der Hilfe für Arme in ländlichen Gebieten eingesetzt hat, machte ihn selbst in den Augen des US-Senators Joseph McCarthy des Kommunismus verdächtig.


Obwohl Ladejinsky strikter Antikommunist war, verlor er 1954 seinen Job bei der US-Regierung. Ein Jahr später räumte die Regierung unter Präsident Dwight Eisenhower ein, dass dies ein Fehler gewesen war und stellte ihn wieder ein.






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